Warum wir Kämpfen

von Guillaume Faye

Die gesamte Geschichte Europas wird von einem Aufeinanderprallen der Werte, von einem „Krieg der Götter” zwischen dem vorrückenden christianomorphen Bewußtsein und einer standhaltenden Psyche geprägt Wahrscheinlich bis Friedrich Nietzsche waren sich die Europäer dieses „metaphysischen” Krieges nicht bewußt geworden.

Die NEUE KULTUR EUROPAS ist dazu berufen, jenseits der veralteten politischen Schubladen (mögen sie nun den Stempel der Sozialdemokratie, des Liberalismus, Kommunismus, Juden-Christentums oder des American way of life tragen) die sich bildende Gemeinde der „Antikosmopoliten” und „Antimondialisten” aufzunehmen, d. h. all diejenigen, die, links wie rechts, die kulturelle Zerstörung und rassische Auflösung Europas ablehnen. Es handelt sich um den historischen Kampf für die Wiederherstellung einer gemeinsamen Heimat:

Es geht um das kommende europäische Reich.

Die Ende der sechziger Jahre in Frankreich gegründete „Neue Rechte” ist eine Denkbewegung, die Zeitschriften, Freundeskreise, Vereinigungen und Einflußnetze umfaßt. Innerhalb von fünfzehn Jahren gestaltete sie einen ebenso ernstzunehmenden ideologischen Rahmen, wie es Marxismus und Liberalismus taten, wodurch sie in Frankreich, aber auch bereits in Belgien und Italien, den Verlauf der öffentlichen Debatte stark mitprägte. Als Teilhaber an dieser ursprünglich um den Philosophen Alain de Benoist entstandenen Denkbewegung möchte ich auf die Frage: „Warum denken Sie? Warum schreiben Sie? Warum beeinflussen Sie die Gesellschaft wie jene Denkzirkel vor der Französischen Revolution?” mit dem Hinweis antworten: Fragen Sie uns nicht danach, warum wir denken, schreiben, veröffentlichen; fragen Sie uns vielmehr danach, warum wir kämpfen.

Unser Bemühen, Ideen und Werte zu schaffen und zu verbreiten, ist nämlich eher mit einem historischen Kampf metapolitischen Wesens (einer Art kulturellem und ideologischem Krieg) gleichzusetzen als mit einer reinen Wissensvermittlung. Wir wollen die wirklich europäischen Werte und Weltanschauungen in die Geschichte zurückführen. Verwischt wurden sie sozusagen von Gegenwerten, die unseres Erachtens für die gegenwärtige europäische Dekadenz verantwortlich sind. Unsere Weltanschauung ist mehr als eine Ideologie – sie entspricht einem Gebäude grundlegender Werte, die seit Jahrtausenden den europäischen Völkern innewohnen. Wir sind heute die einzigen, die sich für sie einsetzen. Sollten wir keinen Erfolg haben, so wird au niemand mehr veranschaulichen; und damit käme die geschichtliche Wirksamkeit der europäischen Völker zum Erliegen. Folglich ist unser Einsatz von historischer Bedeutung in der augenblicklichen Gesellschaft, weil niemand sonst, links oder rechts, diese Weltanschauung vertritt.

Wir allein setzen uns für die Wiedereinführung des europäischen Heidentums, für die Belebung der europäischen Werte ein, die nach einem langwierigen Prozeß der Unterwanderung von den Inhalten des Judenchristentums und seines weltlichen Erben, des egalitären Individualismus, verdrängt wurden. Die fünftausendjährige europäische Kultur wurzelt in einem einzigen Volk, das in seinen Hauptzügen homogen, in seinen Erscheinungsformen aber äußerst mannigfaltig ist Die Bevölkerungen lateinischen, hellenischen, hispanischen, germanischen, skandinavischen, keltischen und slawischen Ursprungs sind alle Erben ein und derselben anthropologischen, kulturellen und linguistischen Wurzel, wie die moderne historische Ethnographie es nachweist Diese „Wurzel” stammt aus der Verschmelzung eines sogenannten „indoeuropäischen” Volkes mit lokalen, anthropologisch verwandten Bevölkerungen, die damals auf dem europäischen Boden verteilt waren. Die Indoeuropäer – so genannt, weil sie sich vom äußersten Ende Westeuropas bis zum indischen Subkontinent niederließen – gaben allen europäischen Völkern ihre Kultur, ihre Sprache und folglich auch ihre Sinnesart. Somit besitzen die europäischen Völker seit Anbeginn ihrer Geschichte das gleiche kulturelle, sprachliche und anthropologische Erbe. Die sehr früh aufgekommenen Differenzierungen entsprechen vergleichsweise ebensovielen melodischen Linien in der gleichen Sinfonie, ebensovielen Gestalten in der gleichen Freske. Die römischen und die skandinavischen Götter sind nahezu die gleichen. Die griechische und die deutsche Sprache drücken jede auf ihre Weise die gleiche Geistesart aus, und zwar mit syntaktischen und lexikalen Strukturen, die auch den lateinischen und slawischen Sprachen eigen sind. Die Mannigfaltigkeit in der Einheit, die Vielzahl an Göttern und Werten innerhalb des gleichen Sakralen bilden den Angelpunkt des indoeuropäischen Erbes.

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung drangen unter dem Einfluß des Christentums Wertvorstellungen auf unseren Kontinent ein, die der europäischen Psyche völlig fremd waren. Diese Maßstäbe einer anderen Welt sind gekennzeichnet durch den Dualismus (Grundsatz einer Trennung des Universums von einem einzigen Gott-Vater und seinem Gesetz – was zwangsläufig die Entwertung der lebenden Welt zur Folge hat); durch den Vorrang des abstrakten, auf der Suche nach seinem Heil und Glück befindlichen Individuums vor der Idee der Gemeinschaft und der Stammlinie; durch die Einführung von Absolutheiten, etwa der metaphysischen Gleichheit aller Menschen oder der radikalen Ablehnung höchster ethischer Werte (z. B. der ererbten oder gewählten Bindungen, der Gesinnungstreue, der Zugehörigkeit zu einer Volksgemeinschaft).

Das Christentum und seine „Ideologie” brauchten lange Zeit, bis sie wirklich in den Denkweisen und Sitten Wurzeln schlagen konnten. Die Religionsvorschriften, so wie sie sich im Rahmen des Katholizismus bzw. der orthodoxen Kirche entwickelten, offenbaren eine langwierige Synkretismusarbeit zwischen heidnischen Anschauungsweisen und einer eifernden Heilslehre, die ihre volle Tragweite erst zu Beginn der Neuzeit erlangte. Die Historiker sind sich immer mehr darüber einig, daß das Aufblühen der europäischen Kultur und Zivilisation im wesentlichen durch die Wissenschaften, die Künste, das Recht, den Städtebau, eine dynamische Auffassung des Politischen, die Eroberungen bis hin zu den äußerungen des religiösen Glaubens, etwa den Kathedralen – nicht wegen, sondern trotz des Christentums erfolgte. Die „europäischen” Züge des Christentums sind in Wirklichkeit fortbestehende Züge der heidnisch-europäischen Mentalität. Das geben die modernen Christen übrigens durchaus zu, wenn sie eine „Rückkehr zu den Quellen” befürworten und folgerichtig das europäische kulturelle Erbe verwerfen, mit dem sich befaßt zu haben sie die Kirchen anklagen.

Geprägt wird die gesamte Geschichte Europas von einem Aufeinanderprallen der Werte, vom „Krieg der Götter” zwischen einem vorrückenden christianomorphen Bewußtsein und der standhaltenden heidnischen Psyche. Wahrscheinlich bis Friedrich Nietzsche waren sich die Europäer dieses „metaphysischen”. Krieges nicht bewußt geworden.

Mochte sich der christliche Geist lange Zeit nicht nachteilig auf die Kraft und die historische Dynamik der europäischen Völker auswirken, so hat sich dies in der Neuzeit grundlegend geändert. In mehreren historischen Phasen verweltlicht (anläßlich der Reformation und der Gegenreformation, der englischen Revolution im 17. Jahrhundert, der „Aufklärung” und der französischen und amerikanischen Revolution im 18. Jahrhundert, dann im Zusammenhang mit dem Marxismus und dem Liberalismus im 19. und 20. Jahrhundert) führten die aus der christlichen Theologie hervorgegangenen Ideen zu (der Einfachheit halber so genannten) „egalitären” Ideologien, die heute das gesamte westliche Bewußtsein beherrschen. Die „Linke” wie die „Rechte” gehören zu diesem ideologischen Geflecht. Wir sind die einzigen, die von ihm Abstand nehmen, für das Wiederaufleben einer anderen Weltanschauung eintreten und somit ein anderes ideologisches Ziel verfolgen.

Diese egalitären Ideologien unterscheiden sich in den Mitteln, stimmen aber im Endzweck sowie in ihrer aus dem monotheistischen Dualismus abgeleiteten Auffassung von einer endgültigen Welt überein. Für sie sind die Menschen in Bezug auf Endziele oder absolute Werte gleich; daraus ergibt sich eine Entwertung der Heimat, der Verwurzelungen und der Gemeinschaftsidee.

Diese zersetzende Auffassung konnte lange Zeit keine negativen Auswirkungen haben, da die dynamische, zugleich aber traditionsbewußte europäische Psyche die Völker in der Geschichte je nach Bedarf standhalten oder vorwärtsdrängen ließ. Heute hingegen sind unsere Völker in ihrer kulturellen, demographischen und historischen Existenz bedroht, weil die „egalitäre” Weltsicht mittlerweile einen sehr hohen Verbreitungs- und Anwendungsgrad erreicht hat Die sogenannte „europäische” Weltanschauung, die aus der heidnischen Kultur und einer umfassenden Psychologie stammt, war darauf bedacht, den Gemeinschaftsgeist, das historische Überleben, den Willen zur Macht gegenüber dem Individualismus und der Suche nach Glück geltend zumachen. Bis vor kurzer Zeit „kämpfte” diese Weltanschauung unbewußt gegen progressistische oder konservative Ideologien, die den Staaten und Gesellschaften die Verweltlichung des christlichen Ideals (nämlich des ewigen Glückes im individuellen Heil) als Endzweck aufdrängten. Demgegenüber wird mit unserem Projekt der »europäischen” Weltanschauung wieder Geltung verschafft Das ausgehende 20. Jahrhundert erfährt also die ausgesprochene Bewußtwerdung der ursprünglichen europäischen Weltanschauung und ihre zielstrebig in der Gegenwart verankerte Weiterführung. Das gesteckte Ziel, die europäischen Völker und Kulturen, die augenblicklich in Lethargie und Untergangsstimmung verstrickt sind, in die Geschichte zurückzuführen, erlangt somit die doppelte Bedeutung eines Kampfes und einer historischen Wiederbelebung. Kampf gegen die Todeskräfte, die in den gegenwärtigen Wertvorstellungen, in den Haltungen und Denkweisen, ja sogar in unserem historischen Erbe darum bemüht sind, daß wir nicht mehr das sein können, was wir unseres Erachtens als Europäer immer waren: die Völker der Ilias und der Edda, nicht die der Bibel. Wiederbelebung einer Vergangenheit, die wir im Gegensatz zum Christentum und den herrschenden Ideologien nicht als ‚jüdisch-christliche Zivilisation” zu deuten gedenken, sondern als „indoeuropäische Kultur”, damit unsere Zukunft die Form der Vergangenheit als Grundlage erhält, die unserer Wesensart angemessen ist In seinem Testament de Dieu de Dieu (1979) äußerte Bernard-Henri Lévy im Zusammenhang mit unserem Projekt die Ansicht, daß es sich um den Kampf zwischen Athen und Jerusalem handle: den gleichen, aber heftigeren als vor 2000 Jahren. Wir wollen aus diesem Grunde, daß es überall in Europa „Griechen” gibt

Die Gemeinschaft als Kraft der Erneuerung

Unsere Unternehmung, die (wie oben dargelegt) als Kampf aufzufassen ist und darin während einer harten Arbeit geprägte Ideen und Werte als Waffen einsetzt, wird in ihrem gesamten Ablauf von der Gemeinschaft getragen, die wir bilden. Grundlage dieser Gemeinschaft ist unsere Weltanschauung, die alle Lebenserscheinungen in sich schließt; was uns verbindet, sind aber nicht nur die Menschen dieser Gemeinschaft, sondern auch das Festhalten an den historischen Werten. Jeder von uns trägt diese Werte in sich: die Gemeinschaft erscheint demnach viel stärker als die „Gesellschaft”, die sich auflöst, sobald ihre Strukturen zerbrechen. In unserem Fall ist die Bindung keine »mechanistische”, sondern eine organische. In diesem Sinne verwirklichen wir bereits jetzt unsere theoretische Auffassung vom gemeinschaftlichen Leben. Die als Kampf aufgefaßte Arbeit ist es, die unserer Gemeinschaft ihre Bedeutung sowie ihre Schubkraft verleiht In den Gesellschaften westlicher Prägung sind zahlreiche „organische Gruppen” zu finden: Klubs und verschiedene Vereinigungen. Was die Menschen dort verbindet, ist aber stets begrenzt, gewissermaßen in enge thematische Schubladen gezwängt Bei uns wirkt hingegen die Freundschaft mit einer unnachgiebig vertretenen Weltanschauung zusammen, und bildet so das Spannungsfeld einer Idee, die einen Kampf von gewaltigem historischen Ausmaß führt. In diesem Sinn schrieb uns eine bedeutende Persönlichkeit der Hochschulwelt: „Ich weiß nicht, ob Sie selbst sich der historischen Bedeutung Ihrer Unternehmung bewußt sind, ob Sie nicht von Ihrer Verantwortung gegenüber der Geschichte überfordert sind, ob man nicht erst später die Rolle ermessen wird, die Ihre Gemeinschaft in Europa zu spielen berufen ist, auf Grund Ihrer Zielsetzungen, des Sie beseelenden Geistes, Ihrer ersten Verwirklichungen.” Tragen wir nach dieser Einschätzung Sorge, daß wir uns der Wichtigkeit eines uneingeschränkten Einsatzwillens jederzeit bewußt sind! Ein Mitglied einer politischen Partei fragte uns, wann und wie wir die „neue europäische Kultur”, das „andere Europa» erwägen, zu dessen Wiedergeburt wir beitragen wollen. Unsere Antwort lautet: Das Reich ist in uns. Was bedeutet diese sibyllinische Formel? Sie bedeutet, daß wir jegliche lineare, einer Erlösungslehre verpflichtete Geschichtsauffassung ablehnen, daß wir die Gegenwart von der Zukunft nicht trennen, d. h. keinen Einschnitt zwischen der „jetzigen Gemeinschaft» und dem »späteren», von einer endzeitlichen Zukunftsvision »erneuerten” (und damit ins Phantastische abgeschobenen) „Europa” machen. Unsere Gemeinschaft ist bereits der Keim des zukünftigen Europas. Durch unsere Existenz ist unser Projekt bereits in seiner Verwirklichung begriffen.

Die metapolitische Strategie:

der ideologisch-kulturelle Kampf

Demgemäß sind wir darauf bedacht, innerhalb der gegenwärtigen Zivilisation ein Kraftfeld zu schaffen. Die Macht der aktiven Minderheiten rührt davon her, daß sie hart mitten in der weichen Masse des sozialen Umfeldes sind, wirksam mitten in der umweltlichen Anonymität und Spießbürgerlichkeit, motiviert und klug (d. h. mit dem Wissen, worum es geht) mitten in verblendeten, spezialisierten und gleichgültigen Menschenmassen. Diese Überlegungen führen in der gegenwärtigen Welt dazu, eine Form der Strategie zu wählen, die sich von der bei politischen Bewegungen angewandten stark unterscheidet; mit letzteren haben wir übrigens nichts gemein, weder was die Ideen, noch die Mittel oder Ziele anbelangt. Ende der sechziger Jahre lenkte eine einfache Feststellung, die wir allerdings als einzige trafen, alle unsere späteren Unternehmungen: Um ihre Macht in der bürgerlichen Gesellschaft zu verankern, bediente sich die „Linke» nicht etwa ausschließlich der Wahlen, sondern sie arbeitete ganz zielstrebig auch auf die Eroberung der kulturellen Macht hin. Mit anderen Worten: die Universität, die Presse, die einzelnen Medien durchdringen, sich eine intellektuelle Zuhörerschaft sichern und damit eine Entscheidungskraft bei der Prägung von Meinungen und Werten gewinnen, um später über die gesamte Gesellschaft herrschen zu können. Allerdings hatten wir keineswegs vor, das gleiche für die »Rechte» zu bewerkstelligen, zumal diese Rechte, ob es sich nun um die radikale, die konservative oder die liberale handelt, unsere Auffassungen ebensowenig verficht wie die Linke, weil wir (im Gegensatz zur Linken und Rechten) in einer Weltanschauung beheimatet sind, die dem herrschenden „ideologischen Bogen” völlig fremd ist. Wir machten eine zweite, mehr „historische” Feststellung: Die Gesellschafts- und Souveränitätsformen sind ebenso wie die Zivilisationsformen letzten Endes ein Ergebnis von Wertsystemen, die die Denkweisen allmählich prägen und dadurch den politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Überbau bestimmen. Die gegenwärtigen westlichen Gesellschaften, die ein aus der Verweltlichung jüdisch-christlicher Glaubenssätze hervorgegangener Egalitarismus lenkt, sind das auffallendste Beispiel für den Vorrang der Wertsysteme vor den gesellschaftspolitischen Systemen. Auf die Werte müssen wir also einwirken, und nicht unmittelbar auf die politischen, ökonomischen und repräsentativen Strukturen. Diese Bestrebung weicht insofern von derjenigen Antonio Gramscis (Italienischer Marxist, Motor der Partito Communista hahano in den zwanziger und dreißiger Jahren.) ab, als dieser im Gegensatz zur herkömmlichen marxistischen Analyse die Idee entwickelte, daß die Eroberung der Macht die Bildung einer Sphäre von „organischen Intellektuellen» voraussetze, die ein neues revolutionäres Bewußtsein verbreiten sollen. Die dieser Vorstellung zu Grunde liegende Erkenntnis stellt fest, daß die Infrastruktur der Gesellschaft ideologischer, und nicht ökonomischer Natur ist. Unser Ziel ist allerdings nicht die politische Eroberung eines „Staatsapparates”, wie Gramsci es anstrebte, sondern deckt sich mit einer metapolitischen Strategie, die zwar mit der eigentlichen Politik parallel läuft, diese aber übersteigt, solange »Politik” die Tätigkeit der Berufspolitiker, die wir allzu gut kennen, bezeichnet. Die metapolitische Strategie stellt eindeutig fest, daß die Berufspolitik vollkommen nutzlos geworden ist, und zwar aus drei Gründen, die den Politologen und Soziologen übrigens wohl bekannt sind. Erstens, weil die im üblichen Sinne aufgefaßte Politik zu einem peinlichen Theater wurde, wobei das eifrige Geschwätz der Darsteller seine Überzeugungskraft längst verloren hat; zweitens, weil die gesellschaftslenkenden Entscheidungen heutzutage techno-ökonomischer und administrativer Natur sind; drittens, weil wir darauf abzielen, ein Wertsystem zu verbreiten, das langfristig wirken, möglicherweise mehrere miteinander konkurrierende Ideologien umfassen und — sollte es ausreifen — dies vielleicht in einer Welt tun wird, wo die jetzigen politischen Einrichtungen, der Staat im modernen Sinne des Wortes usw. keine lenkenden Instanzen mehr sein werden. Und dies bedeutet nichts anderes, als daß unsere Ideen und Werte am Ende des metapolitischen Kampfes an der Macht, d. h. in sämtlichen sozialen Funktionen zu finden sein werden. Sie bilden dann die Grundlage der – eventuell wettstreitenden – Ideologien und der einzelnen Haltungen vor dem Leben. Geduld und Beständigkeit sind zur Erreichung dieses Zieles selbstverständlich erforderlich. Aus der Geschichte der westlichen Gesellschaften ist folgende ständige Lehre zu ziehen:

Die Macht ist weder am Abzug der Gewehre noch berufspolitischer Natur; sie ist am Ausgangspunkt der Ideen, sie ist kultureller, geistiger und historischer Art. Wir weigern uns, irgendwie politisch aktiv zu sein, irgendeiner Partei zu gestatten, daß sie sich auf unsere Ideen beruft – weil wir wissen, daß die wahre Politik, die „Große Politik” (wie Nietzsche sie auffaßte), die vom historischen Schicksal der Völker spricht, nicht von den „Politischen Instanzen” verkörpert wird. Diese zu erobern bringt nichts. Die metapolitische Strategie besteht somit darin, einen ideologischen Kampf zu fuhren und ein System kultureller Werte zu verbreiten. Der ideologische Kampf bedingt die Verbreitung einer in sich gegliederten und erschöpfenden Ideenströmung, die den egalitären Ideologien zu widersprechen vermag. Diese theoretische Ideenordnung ist ein Instrument, eine Waffe der Intelligenz im Dienste der Werte; sie ist kein Selbstzweck Es geht uns also nicht darum, »der Rechten eine Theorie zu schenken”. Wir dürfen ja nicht vergessen, daß der Begriff „Neue Rechte”, mit dem die Medien unsere Bewegung bezeichnen, lediglich cm journalistisches Schlagwort ist Zum anderen bezieht unser Ideengebäude folgerichtig sämtliche Disziplinen, von der Biologie bis hin zur Geschichte, mit ein; es erfüllt eine ähnliche Rolle wie beispielsweise die der marxistischen Ideologie zufallende. Unsere Weltanschauung widersetzt sich nicht einer Ideologie der gegenwärtigen Landschaft, sondern allen. Sie verfolgt dabei drei Hauptziele:1) Eine intellektuelle Erklärung der Welt, des Menschen, der Gesellschaft, der Geschichte zu liefern, die unseren Werten und unserer Arbeitsweise entspricht, wobei letztere vollständiger, zusammenhängender, umfassender ist als die der bestehenden Ideologien. Es handelt sich nicht um ein Dogma, sondern um ein offenes, sich ständig entwickelndes System. Darin unterscheiden wir uns von den Marxisten, den Liberalen oder den Christen. Wir wollen den Vorteil eines weltdeutenden Schlüssels haben, ohne auf den Dogmatismus oder die Flucht aus der Wirklichkeit angewiesen zu sein.
2) unser theoretisches Gebäude ist demnach mit einer Veranschaulichung unserer Werte gleichzusetzen, die ihrerseits selbstverständlich irrational bleiben, da sie unserer freien Wahl entstammen. Daß man z. B. für Europa ein historisches Schicksal der hedonistischen, unterworfenen merkantilisierten Zukunft vorzieht, läßt sich nicht rational rechtfertigen. Daher können sich unsere Ideen zwar wandeln, unsere Werte jedoch bleiben unveränderbar; denn die Ideen sind taktische, stets zu verbessernde Mittel, um die Werte zu verwirklichen.

3) Diese Ideenströmung kritisiert die gegenwärtige Zivilisation und führt den Angriff gegen die unbegründet vorherrschenden Ideologien. Unser ideologischer Standort macht uns die Aufgabe leichter, da wir einem Wertsystem folgen, das sich den herkömmlichen Trennungen Linke/Rechte, Wissenschaft/Natur, Biologismus/Kulturalismus usw. entzieht. Wir treten beispielsweise zugleich für die technische Modernität und für die Verwurzelung ein, für den privaten wirtschaftlichen Unternehmungsgeist und für die Vorrangstellung der politischen Hoheitsgewalt gegenüber der Ökonomie. Das verschafft uns Beweglichkeit und Tatkraft sowie großartige Möglichkeiten ideologischer Störung; umso mehr, als in unserer Gesellschaft der ideologische Zusammenhang vielfach zerbröckelt, die intellektuellen Gewißheiten anfällig werden.

Die Bücher, die Zeitschriften, die Vorträge, die Foren, die Kolloquien, die privaten, familiären oder beruflichen Gespräche, die Zirkel und die Aktivitäten zur Verbreitung unserer geistigen und kulturellen Inhalte bilden die Schlachtfelder unseres Kampfes. Das Christentum, der Marxismus oder der Liberalismus haben mit ihren Inhalten und Begriffen die Gesellschaft ebenfalls gesättigt, haben ebenfalls die Geister angegriffen, um eine kleine Zahl zu überzeugen, um die anderen zu neutralisieren oder zu verführen. Wir besitzen nicht ausschließlich intellektuelle und theoretische Waffen, sondern auch »soziologische»: Werte zu vermitteln ist eine Aufgabe, die nicht nur die Verbreitung von Texten erfordert, sondern auch eine »kulturelle Präsenz”, die, je nach der Findigkeit eines jeden oder‘ der von unserer Gemeinschaft festgelegten Strategie, zahlreiche Formen annehmen kann. Die Zeit spielt für uns, denn unsere Werte befinden sich auf der Seite dessen, was Chateaubriand als „Jugend der Welt» bezeichnete. Unsere Gegner erhalten einen alten Bau aufrecht und behüten ihre Macht Seit einem Jahrzehnt besteht unsere Gemeinschaft; es vergeht kein Tag, an dem sie nicht erstarkt, obwohl wir am Nullpunkt angefangen haben – denn wir haben das längste historische Bewußtsein.

Die Formulierung einer Weltanschauung

Unser theoretischer Bau ist ein offenes System; die Ideen sind Mittel zum Zweck Sie können sich wandeln, um die grundlegenden Werte besser zu verfechten. Wir können unsere Theorie verstärken, neue Disziplinen mit einbeziehen, unsere Standpunkte verändern – schließlich sind wir nicht die Hüter eines Dogmas. Keine naturwissenschaftliche Errungenschaft kommt uns ungelegen: Wir sind wirklichkeitsbezogen — Tatsachen können zu keiner Zeit unseren Werten widersprechen. Unsere Gegner dagegen entwickeln geschlossene Ideologien. Die Ethologie hat mittlerweile den Marxismus ruiniert, und die Anthropologie widersprach der christlichen Deutung des Menschen. Demgegenüber haben wir auf klare Erkenntniswerte gebaut. Sie entsprechen der »Lebensphilosophie”, die wir bejahen, weil sie unserer Erfahrung nach sinnvoll und wirklichkeitsgemäß ist Unter »Leben” verstehen wir bewußt unsere Lage als Menschen, die in der Welt leben und einer Gemeinschaft angehören. Wir wollen das Leben, wie es ist: ein Wagnis, eine unbekannte Größe. Wir lassen es aber nicht über uns ergehen, denn das Wesen des Lebens ist der Kampf, die Selbstüberwindung, das Streben nach Vervollkommnung. Dieser philosophisch geprägte Standpunkt wird von den Humanwissenschaften voll und ganz bestätigt. Dennoch heißen wir nicht aus diesem »objektiven» Grund unsere eigenen Werte gut. Es sind unsere Philosophie und unsere frei getroffenen Entscheidungen, die uns bestimmen. Es hat sich so ergeben, daß die Politologie, die Soziologie, die Anthropologie, die wissenschaftliche Beobachtung der Welt und ihrer Gegebenheiten unsere Werte bestätigen. Was uns aber letzten Endes befähigt, Urteile auszusprechen, entspringt unserer Feinfühligkeit. Unsere Weltanschauung ist, wie gesagt, wirklichkeitsbezogen. Die den Egalitarismus vertretenden Lehren erscheinen dagegen utopisch. Sie lehnen die Welt ab, so wie sie ist, (d. h. »das Leben als Kampf‘, die Ungleichheit) zu Gunsten unwirklicher Wunschvorstellungen (abstrakter »Mensch”, Leben als beruhigende Harmonie, soziologischer Universalismus). Die wahre Welt wird verworfen und als nur vorübergehende Erscheinungsform bezeichnet, die es zu verändern gilt, um die Utopie (d. h. die dogmatische Idee der Welt), die man sich sehnsüchtig wünscht, zu verwirklichen. Die Utopie geht natürlich nicht in Erfüllung („heterotelische” Wirkung), die Menschen sind verwirrt, der Einzelne wird krank Die egalitären Lehren sind allerdings auch unfähig, ihr eigenes System als von unbeweisbaren Behauptungen geprägt zu erkennen, weil sie versäumten, seine Herkunft kritisch zu untersuchen. Sie stützen sich deshalb unmittelbar auf die Sozialwissenschaften, auf die Ökonomie zum Beispiel, die den Ausgangspunkt der liberalen oder marxistischen Theorien bildet Wenn sich besagte Wissenschaften zu einer höheren Stufe der Erkenntnis entwickeln, so ist das gesamte Lehrgebäude der Gleichheitsideologen zerrüttet.

Ganz anders bei uns: Wir sind uns unserer Werte bewußt; unser Denksystem ist irrational (gefühlsmäßig) in seiner Grundlage, benutzt aber die Rationalität (die Vernunftgemäßheit) als Werkzeug. Unsere Gegner beanspruchen die »Vernunft» als Ausgangspunkt, ohne zu erkennen, daß sie von irrationalen Kräften beherrscht werden, über die sie keine Macht haben und deren Gefühlsmäßigkeit sie doch eigentlich ablehnen. Darauf ist u. a. ihr Reduktionismus zurückzuführen: Um ihr eigenes System im Griff zu behalten, führen sie es auf ein einziges Element zurück und beschränken dadurch ihre Deutung vom Menschen und der Gesellschaft auf wenige Ursachen, die angeblich alles erklären können (Rückführung der Geschichte auf den Klassenkampf, Beschränkung der Anthropologie auf die kulturelle Durchdringung oder auf die Libido usw.). Ganze Lebensbereiche werden abgelehnt, weil sie nicht widerlegt werden können: der Kampf, das Heilige, die auf Selbstbestimmung gerichteten Eigenarten, die nationalen und ethnischen Unterschiede, die Aggressivität, die Entwicklung von Rangordnungen usw.

Wir sind demgegenüber antireduktionistisch. Wir bejahen die Welt in ihrer Vielfalt und ihren Widersprüchen. Der Mensch muß sich beispielsweise zugleich als genetisch gebautes und als kulturelles Wesen erkennen, das sowohl vom Frieden wie auch vom Kampf bestimmt wird. Die Realität besitzt unseres Erachtens mehrere Ordnungs- und Deutungsebenen, die verschieden gelagert sind und einander ergänzen, da eine allein das Ganze nicht zu erklären vermag: mikrophysische Ebene, makrophysische Ebene, dann biologische, menschliche, soziologische, historische Ebenen und wahrscheinlich noch viele andere, je nach dem eingenommenen Standpunkt. Unser Antireduktionismus schlägt Brücken zwischen den einzelnen Disziplinen. Während unsere Gegner »reine Ökonomie» oder »reine Biologie” betreiben, ohne sie durch weitere, in anderen Wissenschaften gewonnene Erkenntnisse zu beleuchten, rührt unsere geistige Schärfe davon her, daß wir keine Bedenken tragen, die Geistes- und Naturwissenschaften miteinander zu verbinden. Zum Beispiel: Eine Erörterung über Biologie ist nahezu sinnlos, wenn man die kulturelle Formung der erblichen Voraussetzungen nicht in Betracht zieht. Ebenso ist eine Staats- und Sozialwissenschaft ohne ihre ethologischen und anthropologischen Grundlagen, eine Ökonomie ohne psychologische Beleuchtung im besten Fall Stückwerk. Unsere Weltsicht ist demnach organisch, und nicht mechanistisch. Wir sind bestrebt, niemals Teilansichten der Dinge zu berücksichtigen. Wir sind grundsätzlich Antiextremisten mit starken Werten. Unsere Gegner erscheinen dagegen als Extremisten (die das Leben auf die Ökonomie oder die Biologie beschränken) mit schwachen Werten. Die Weltanschauung, der wir uns widersetzen, führt ihre Wertvorstellungen auf reine Behauptungen zurück, die wir nach Herkunft und Ausdruck klar einordnen können. Zunächst wird der jüdisch-christliche Individualismus als grundlegender Wert aufgestellt Der von der Welt abgeschnittene und mit dem Gott-Vater in Verbindung stehende individuelle Mensch muß für sein Heil sorgen. Nach seiner Verweltlichung erzeugte dieses Axiom alle herrschenden Ideologien, die sich um drei Schlüsselbegriffe drehen: Individuum, Vernunft, Glück. Die Verweltlichung, die mit dem Calvinismus und dem Luthertum einsetzt und mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (antirevolutionäre Neomarxisten) abschließt, war vom Christentum selbst vorbereitet worden, das die metaphysischen Ideale, mit denen der Christ als »außerweltliches Individuum» in Beziehung stand, auf die Erde, zu deren Veränderung, hatte herunterholen wollen. Der christliche Grundsatz, wonach der Mensch im Hinblick auf ein künftiges Gottesreich sein persönliches Heil suchen müsse, wandelte sich in den herrschenden Ideologien (denen des liberalen Kosmopolitismus oder des sozialistischen bzw. marxistischen Internationalismus) in den Wunsch um, das individuelle, meistens als wirtschaftlichen Wohlstand aufgefaßte Glück zu verwirklichen. Bei den Christen gilt die »Vernunft» als Erbin der Naturordnung und des göttlichen Willens. Das den Gesellschaften zugewiesene Ziel ist demnach, das individuelle Glück rational zu verwirklichen. Alle Lehrsysteme der Gegenwart stimmen darin überein. Bis auf unseres. Dadurch entgehen wir einer Logik geistiger Einsperrung und erlangen ein höheres Weltverständnis. Vom christlichen Standpunkt aus wird die echte »Natur”, die des Kampfes, der Ungleichheiten, der Unterschiede, entwertet zu Gunsten einer auf die Erde heruntergeholten übernatürlichen Endwelt, der die seltsame Vorstellung einer befriedeten Weltgesellschaft (d. i. das Ende der Geschichte) zu Grunde liegt Allerdings (das soll hier nochmals betont werden) bilden weder Gleichheit noch Freiheit den Ausgangspunkt jener Weltanschauung, die wir bekämpfen. Die Gleichheit wird nämlich erst aus dem individualistischen Grundgedanken gefolgert: Der abstrakte, vereinzelte Mensch, Sohn Gott-Vaters (oder Besitzer der Weltvernunft), wird mangels besserer Einsicht als überall gleich angesehen.

Vom Marxismus bis zum sozialen Christentum, vom Liberalismus bis zur Sozialdemokratie (über alle Abstufungen dieser heute – noch – gängigen Anschauungen) nimmt der Egalitarismus an, daß der Endzweck des Menschen und der Gesellschaften die (nur auf Grund gedanklichen Schlüssen geforderte) Verwirk Verwirklichung vom Glück des Individuums (in wirtschaftlicher oder sozialer Form) sei. Daraus ergibt sich eine Entwertung der als vorübergehende Irrtümer mißdeuteten natürlichen Bindungen (Völker, Nationen, Kulturen) sowie eine mondialistische (d. h. der lebensfremden Idee einer Weltgesellschaft angepaßte) Ausrichtung des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Handelns. Mondialismus – auf diesen gemeinsamen Nenner kann die gesamte Weltanschauung, der wir entgegenwirken, gebracht werden. Auch unsere Weltanschauung, die in der Zukunft u. U. sogar verschiedene – d. h. zur Verwirklichung der gleichen Werte wettstreitende – Ideologien hervorrufen wird, kann auf einen kleinsten Nenner gebracht werden. Ausgangspunkt unserer Weltsicht ist allerdings die Anerkennung der tatsächlichen Lebensgrundlagen, so wie die Beobachtung, der gesunde Menschenverstand oder die Naturwissenschaften sie uns vor Augen führen: die überströmende Kraft des Lebendigen, sein vom Schicksal bedingtes, durch Gefahr geprägtes Wesen, das in offener oder verdeckter Rangordnung wirkt, die ihm innewohnende, auf Entwicklung zielende Bewegung, die Krisen und Gleichgewichtsstörungen, die ihm Standfestigkeit verleihen, der ständige Kampf, dem es seine Entstehung verdankt. Das Leben hat keinen anderen Sinn, als sich selbst zu vervollkommnen; die Welt enthält keine höchsten Werte. Der Mensch ist es, der durch seine Wertauswahl der Welt ihren Sinn verleiht und sie in Form setzt. Der Mensch ist Sinngeber und Herr der Formen. Die von uns vertretene Deutung des Daseins gründet (im Gegensatz zu jener der egalitären Weltanschauung) in der gewissenhaften Beobachtung des Lebens: Seine Triebkräfte fordern nicht nur, daß wir unser Dasein erhalten, sondern darüber hinaus das Leben in der Welt, wie sie ist, steigern, indem wir ihre Gesetze anerkennen und möglicherweise neue »anwendbare” Richtlinien (z. B. die Technik) erfinden. »Wir” meint das Volk und die Tradition, die uns als Auftrag zufielen, mit anderen Worten: die europäische Welt und, vorläufig, unsere Gemeinschaft

Das Individuum wird aus diesem Blickwinkel nicht entwertet Im Gegenteil: Seine Persönlichkeit wird sich gerade dann am besten entfalten, wenn es tatkräftig und opferfreudig Anteil nimmt an der Bewegung und dem Kampf sonor Gruppe. Wir nennen »Willen zur Macht” die Tatsache, daß jedes Lebewesen, jeder Mensch, jede Gemeinschaft, jedes Volk sich in seinem Milieu zu entwickeln sucht, um sein Leben und das seiner Nachkommen auf eine höhere Daseinsstufe zu erheben. Der Kern unserer Weltanschauung kann folgendermaßen umschrieben werden: Wir wollen als Personen in einer Gemeinschaft unser Leben entwickeln, und dies innerhalb einer stets schicksalhaften, gefahrvollen Welt, die wir als solche 1~ahen. als Personen in einer Gemeinschaft unser Leben entwickeln, und dies innerhalb einer stets schicksalhaften, gefahrvollen Welt, die wir als solche 1~ahen. Soweit diese Deutung des Lebens zu einer ständigen Überwindung der menschlichen Bedingtheit durch den Menschen selbst aufruft, können wir sie im wesentlichen als Lehre vom »Übermenschen” bezeichnen. Sie steht dem „individualistischen Humanismus”, den wir auch Egalitarismus nennen, in jeder Hinsicht entgegen. Wir stellen fest, daß unser an den Werten festgemachter Gegensatz zum Egalitarismus radikal und umfassend ist Wir wollen etwas grundsätzlich anderes, wir geben der Welt den entgegengesetzten Sinn, wir verfolgen ein ganz unterschiedliches Lebensziel. Bei den Sozialdemokraten, den Liberalen, den Kommunisten, den Christlich-Sozialen bezieht sich der Zwiespalt lediglich auf die Art der anzuwendenden, gesellschaftlich wirkungsvollen Mittel (die Praxis), das gleiche (universalistische, individualistische usw.) Vorhaben auszuführen und der gleichen Weltdeutung zu gehorchen – selbst wenn ihre Formulierung je nach »Familie” abweicht. Wir haben mit den anderen Denkfamilien in Bezug auf die Werte, d. h. auf das Wesentliche, nichts gemein. Wir sind neu.

Unsere hauptsächlich polytheistische Weltanschauung unterstellt, daß jede Kultur ihre Wertskala besitzen und eigene historische Wege gehen kann. Selbst wenn sie zum Beispiel geopolitisch Europa im Wege stehen, haben sie – von ihrem Standpunkt aus – recht, da sie ein Lebensprinzip, die Selbstverwirklichung, verfolgen. Das trifft z. B. auf den Islam zu. Wir erkennen diese anderen Werte an; sie sind legitim. Möglicherweise müssen wir ihnen eines Tages entgegentreten; wir sind aber der Ansicht, daß die Dynamik des Lebens gerade in dieser Form des Gegensatzes liegt. Deshalb verachten wir niemals unsere eventuellen Gegner. Wir sind demnach Relativisten, obwohl wir an unsere Werte glauben und für ihre Verwirklichung kämpfen; wir stellen sie jedoch nicht als weltweit gültige Lebensregel hin (im Gegensatz zu den vom weltmachthungrigen Monotheismus des Christentums hervorgebrachten Ideologien oder auch dem verstärkt auftretenden Islam), denn unsere Werte sind gut und sinnvoll nur für uns selbst. Um sie und uns zu behaupten, brauchen wir andere Werte neben oder vor uns. Die Bekehrung anderer Kulturen zu europäischen Werten erscheint uns als Totalitarismus, wie ihn das Christentum und die gegenwärtigen »Weltideologien”, unter denen wir die neue »Religion” der Menschenrechte erwähnen müssen, täglich ausüben.

Diese an den Werten des Egalitarismus und den Sehnsüchten der „Allgenügsamen” (die von dem seiner Überzeugungskraft längst verlustig gegangenen Christentum überkommen sind) erstickende Welt kommt einer Diktatur des Alltäglichen, der kleinmütigen Sorge, des Langweiligen und der Berechnung gleich. Es ist eine altersschwache und kleinbürgerliche Welt Man kann sie mögen. Man kann den Wunsch haben, dort zu leben, dort zu überleben. Wir wollen es nicht Und wir werden nicht dulden, daß dieser gesteuerte geistig-seelische Verfall die europäischen Völker unterjocht, gerade die Völker, deren ganze Kultur seit Mykenä und dem Trojanischen Krieg in jeder Hinsicht ein abenteuerliches Aufsteigen zum Licht, ein fieberhafter Aufbau der Geschichte ist. Wir wollen den Faden dieses stolzen Erbes nicht abreißen lassen. Und darum haben wir vor fünfzehn Jahren beschlossen, das Wort zu ergreifen. Wie das alte Lied sagt: Wir wollen predigen und sprechen vom heiligen Reich… In der Sprache der Gegenwart heißt das: ideologische und kulturelle Propaganda treiben. Unsere Arbeit weltanschaulicher Aufwieglung trug entscheidend dazu bei, die Stätten der politisch-ideologischen Debatte tiefgreifend zu verändern und die Trennungslinien zu verlagern, wobei die Vorkämpfer sich dieser Wandlung häufig nicht einmal bewußt wurden. In den siebziger Jahren setzten sich »Linke” und »Rechte” über das abgedroschene Thema der Sozialfrage auseinander oder über zweitrangige Fragen, wie den Feminismus und die Verstaatlichung von Privatbetrieben. Seit Beginn der achtziger Jahre, als die Neue Kultur ihren Einzug in die Medien hielt (zumindest in Frankreich) und »ihre” Männer sich durchzusetzen begannen, stellt die Debatte nicht mehr eine linke und eine Rechte im herkömmlichen Sinne gegenüber. Die früheren politisch-ideologischen Kreise überschreitend, kommen »neue Tendenzen» auf: Einerseits diejenigen, die von der gemäßigten Linken oder konservativen Rechten kommen und die in der Ideologie der Menschenrechte, dem Neoliberalismus oder der technoliberalen Sozialdemokratie, dem Atlantismus, der blinden Amerikahörigkeit und der mehrrassischen Gesellschaft eins werden, kurzum diejenigen, die sich um den Begriff des »westlichen Bündnisses» (im weitesten Sinne) scharen; andererseits diejenigen, die gegen die westliche Zivilisation, den Atlantismus, den Individualismus der Menschenrechte, die Vernichtung der rassischen Integrität angetreten sind. Die Debatte klärt sich genau so, wie es die Neue Kultur geahnt und gewollt hatte: nicht mehr Rechte gegen Linke, sondern Anhänger des westlichen gleichschaltenden Weltbürgertums gegen Befürworter einer Welt unterschiedlicher Völker und eines blockfreien Europas. Paradoxerweise sind die ersten gegenüber der Dritten Welt mißtrauisch geworden (in der sie eine nationalistische Gefahr entdecken), während die zweiten, die geschlossene und unabhängige Völker befürworten, ein Bündnis Europas mit den großen »Reichen” der Dritten Welt gegen die kaum verhehlte sowjetisch-amerikanische Kumpanei herbeiwünschen.

Die Neue Kultur und ihre kraftvollen Werte sind dazu berufen, die sich bildende Schar der »Antikosmopoliten” und der »Antimondialisten” aufzunehmen, d. h. all diejenigen, die, links oder rechts, den kulturellen Verfall, die Schwächung und die rassische Auflösung Europas ablehnen. Die Verfechter der herrschenden Ideologie (d.h. nach dem historischen Ende des Marxismus in Westeuropa die »kosmopolitischen Liberalen”) müssen uns als ihre Hauptgegner verstehen und dementsprechend bekämpfen. Darin liegt unsere historische Chance.

Wofür und wogegen kämpfen wir überhaupt? Gegen die atlantische Falle, für das Reich, und nicht nur für »unser” Reich, sondern für das al1er Völker der Welt, die heute insgesamt durch das materialistische Weltbürgertum des scheinheiligen amerikanischen Predigers wie des listigen sowjetischen Genossen, die das Leben nach Vernunftbegriffen geordnet wissen möchten, in ihrer Existenz bedroht sind. Wenn wir in Frankreich gegen die Invasion der angelsächsischen Wörter und Moden oder gegen die mehrrassische Gesellschaft kämpfen, wenn wir in Deutschland gegen die gesteuerte Auslöschung unseres historischen Gedächtnisses und unserer nationalen Größe kämpfen, führen wir, hier wie da, den gleichen Kampf für unser zukünftiges Vaterland: Europa. Und noch dies: Wir haben bereits einen großen Sieg errungen, wenn wir zur Kennzeichnung der USA nicht mehr die „Neue Welt», sondern der »Alte Kontinent” sagen, wenn wir von Europa als der »Neuen Welt” sprechen und wenn jener kleine Ausspruch Merlins nach dem Tod von König Artur gleich einer verfolgenden heimlichen Musik tief in uns verankert ist:

»Für manche bin ich ein Traum, für alle anderen aber ein Alptraum.»

Der Start unserer Zeitschrift Elemente ist ein Beweis dafür, daß eine gewisse Flamme, die vor fünfzehn Jahren im Herzen Frankreichs wieder auflebte, die Italien, Griechenland, Belgien, Spanien, Portugal, England und Österreich durchzieht, nun endlich zur höchsten Glut anwächst Deutschland ist von Feuer umgeben und weiß es noch nicht Wir müssen ihm die schläfrigen Augen öffnen. Lassen Sie uns gemeinsam dieses Werk von geschichtlicher Bedeutung vollbringen!